2015 – Ein schwieriges Jahr für Nepal

27.12.2015 – Nepal blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Das schwere Erdbeben, eine neue Verfassung, die Blockade des indischen Grenzübergangs und einer der kältesten Winter seit langem. Wir von Sahaya versuchen uns aus den vielen kleinen Puzzleteilen ein Gesamtbild zu machen. Das ist nicht leicht, da wir nicht immer wissen welche Quellen verlässlich sind. Im Folgenden versuchen wir die aktuelle Lage aus unserer Sicht zu beschreiben.

Das Erdbeben erschüttert im April das Land

Aufgrund der geologischen Lage zwischen der Indisch-Australischen und der Eurasischen Platte liegt Nepal in einer Hochrisikozone für Erdbeben. Am 25. April 2015 erschütterte ein Beben der Stärke 7,8 das Land. Daraufhin gab es etliche schwere Nachbeben. Am 12. Mai 2015 wurde Nepal von einem weiteren Beben der Stärke 7,2 getroffen. Laut der nepalesischen Regierung starben knapp 8.800 Menschen aufgrund der Beben und rund 22.300 wurden verletzt (Quelle: Incident Report of Earthquake 2015). Die Koordination der Hilfsarbeit gestaltete sich dabei sehr schwer. Einige Gründe waren nach unserem Wissensstand die zerstörte Infrastruktur, die früh einsetzende Regenzeit, undurchsichtige Zollbestimmungen bei der Einfuhr der Hilfsgüter, fehlende Strukturen in der Regierung für die Krisenbewältigung und Korruptionsvorwürfe (Quellen: Spiegel, Tagesschau, Morgenpost).

Neben der großen Zerstörung durch das Erdbeben hat die Katastrophe auch langfristige Auswirkungen auf das Land. Die wichtigste Einnahmequelle ist für viele Nepalesen der Tourismus. Seit dem Beben reisen nur noch wenige Touristen nach Nepal. Man spricht von Einbrüchen von bis zu 80 Prozent (Quelle: NZZ). Fundierte Zahlen konnten wir leider nicht finden, jedoch bestätigt unser persönlicher Eindruck bei unserem Besuch im Juli 2015 diese Schätzung. Die geringen Besucherzahlen bedeuten weniger Einnahmen für Hoteleigentümer, Bergführer, Taxifahrer und Lebensmittelhändler, um nur einige der betroffenen Berufsgruppen zu nennen. Da es in Nepal kein funktionierendes Versicherungswesen gibt, ist die Lage für viele existenzbedrohend.

Eine neue Verfassung führt zu Unruhen

Im September 2015 ist in Nepal nach langen Jahren endlich eine neue Verfassung in Kraft getreten. Dies ist ein großer Schritt für das Land, der jedoch zunächst zu großen Schwierigkeiten geführt hat. Die Tagesschau berichtet wie folgt darüber:

„Seit dem Sturz der Monarchie gab es in Nepal keine Verfassung, jetzt soll das Land eine föderale und säkulare Republik werden. Nicht zuletzt das schwere Erdbeben hat den Prozess nun beschleunigt. Doch viele sind unzufrieden mit dem Ergebnis. Über zwei Jahrhunderte war Nepal eine hinduistische Monarchie. Die Maoisten schafften sie im Jahr 2008 ab, nach zehn Jahren Bürgerkrieg. Seitdem waren die regierenden Politiker zerstritten und hätten, in der Notsituation nach den Erdbeben, jetzt übereilt die Verfassung verkündet, sagt der Chefredakteur der Tageszeitung “Annapurna Post”: “Sie haben eine Verfassung vorgelegt, die noch unvollständig ist. […]”

Blockade an der indischen Grenze führt zu Engpässen

Kurz nach Bekanntgabe der neuen Verfassung kam es zu einer Blockade an der indischen Grenzen. Seit September werden kaum noch Lastwagen mit überlebenswichtigen Gütern über die Grenze gelassen. Warum – darüber gehen die Meinungen auseinander. Klar ist nur: Der Protest einer Minderheit gegen die neue Verfassung spielt eine wichtige Rolle. (Quelle: Tagesschau) Nepal ist abhängig vom Handel mit Indien. Beim Erdbeben wurde die einzige Handelsroute zu China zerstört. Indien versorgt Nepal normalerweise mit Benzin, Gas und Medikamenten. Aufgrund der Blockade kommen diese Güter nun nicht mehr ins Land. Schulen und Behörden mussten deshalb schließen. Einigen Restaurants ist das Kochgas ausgegangen. Die Preise für Lebensmittel haben sich vervielfacht. Auch der Wiederaufbau nach dem schweren Erdbeben stockt, weil es an Diesel für die Lastwagen sowie an Baumaterialien fehlt, die ebenfalls über Indien importiert werden. Einige Touristengruppen haben zudem ihre Reisen nach Nepal storniert. (Quelle: DerStandard)

Kälteeinbruch im Dezember fordert Todesopfer

Kurz vor Weihnachten fielen die Temperaturen selbst im Mittelgebierge Nepals auf unter Null Grad. Minustemperaturen sind in dieser Region sehr unüblich. Da viele Menschen noch immer in Notunterkünften leben, gab es leider bereits erste Kältetote aufgrund der niedrigen Temperaturen. (Quelle: Zeit)

Die Situation im Überblick

Zusammenfassend ist die Lage in Nepal also mehr als kritisch. Viele Häuser sind nach wie vor zerstört und der Wiederaufbau wird durch viele Faktoren erschwert. Der Einbruch des Tourismus schwächt die Wirtschaftslage enorm. Die neue Verfassung bringt politische Unruhe ins Land. Durch die darauffolgende Grenzblockade werden überlebenswichtige Güter knapp und das Land mehr oder weniger lahmgelegt. Der ungewöhnliche Kälteeinbruch gefährdet Menschen, die immer noch in Notunterkünften leben.

Was sind die Hilfsmaßnahmen von Sahaya?

Wir haben die monatliche Unterstützung unserer Pflegefamilie bis auf weiteres um 500 Euro erhöht, um auf die steigenden Preise aufgrund der Blockade zu reagieren. Nach wie vor stehen wir in engem Kontakt mit der Foster Foundation, um unsere Hilfe (und unser Budget) an die neue Situation anzupassen. Weitere Informationen zur Pflegefamilie gibt es hier.

Des Weiteren arbeiten wir mit Hochdruck daran, den Wiederaufbau in der vom Erdbeben stark betroffenen Region Dhading voranzutreiben. Nachdem wir direkt nach dem Erdbeben Soforthilfe in Form von Zelten und Lebensmitteln an drei Dörfer geschickt haben, möchten wir nun langfristige Hilfe leisten. Dafür hat unser Projektkoordinator Dhan Bahadur anhand von Fotos und Fragebögen die Situation jeder einzelnen Familie in einem der drei Dörfer erfasst. Im nächsten Schritt sollen die Häuser der am schlimmsten betroffenen Familien wiederaufgebaut werden. Allerdings sind auch wir vom Mangel an Baumaterial betroffen, versuchen jedoch unser bestes, um schnell mit dem Bau beginnen zu können. Weitere Informationen zu unserer Erdbebenhilfe gibt es hier.

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